Es beginnt ... mit einem winzigen Paukenschlag !

25.03.2018

Zuerst nur eine leichte, unbestimmte Bewegung in der warmen Luft - dann ein sanftes Summen, und langsam brummt in sanften Kurven ein kleines dickes Insekt daher und landet raschelnd im Laub am Wegrand. Hurra! Der erste Käfer des Jahres ist vor meinen Füßen gelandet! Also rasch die Kamera auf Makro, ebenso schnell auf den Bauch und .... der altbekannte, aber etwas seltsam anmutende Trauerrosenkäfer (Oxythera funesta) ist für's heurige Jahr scheinbar der erste Käfer im Raader Wald ... ABER ...

... zuhause dann die Überraschung: die Zeichnung stimmt irgendwie nicht, und die Behaarung stimmt auch nicht! Also ran an die genaue Bestimmung, und das Tierchen entpuppt sich als Neuzugang für unsere Artenliste des Raader Waldes: nach seinem Aussehen wird er der Zottige Rosenkäfer (Triponita hirta) genannt. Und wichtig für unsere Datenaufnahme: Die Larven dieses Rosenkäfers werden von der ebenfalls im Raader Wald nachgewiesenen Kleinen Dolchwespe (Scolia sexmaculata) parasitiert, indem sie ihre Eier auf die Engerlinge des Käfers ablegt, die sich nach dem Schlupf von ihrem Wirt ernähren! Durch diesen Fund wird die Beziehung Dolchwespe - Rosenkäfer als wichtiges "Kleinsystem" innerhalb des ökologischen Systems "Raader Wald" dokumentiert, was den Raader Wald weiter aufwertet, wo doch auch der Zottige Rosenkäfer (Triponita hirta) als "in Europa gefährdet" geführt wird.

Hier gehts zum >>> Tagebucheintrag der Kleinen Dolchwespe , die in Oberösterreich 60 Jahre verschollen war und in Niederösterreich äußerst selten ist ... !

Der besonnte Weg am oberen Rand der alten Schottergrube sammelt die Wärme der Sonnenstrahlen, und so kann das hurtige Leben der Insekten beginnen - eine ganze Menge von Solitärbienen fliegt unstet suchend über den sandigen Boden, nur kurz landend und auf geheimnisvolle Weise den Platz untersuchend, um gleich wieder weiterzufliegen. Fast erhält man keine Chance, ein solch unruhiges winziges Tierchen auf ein Bild zu bannen - von einer Bestimmung, um welche Art es sich handeln könnte, bin ich sowieso weit entfernt ...

Im Waldrand tummeln sich eilig die bei drohender Gefahr wehrhaft-bissigen kleinen Monster der Ameisenwelt, die Arbeiterinnen der Roten Waldameise (Formica rufa) ... sie laufen an manchen Stellen immerhin an vorgegebenen Straßen. Obwohl sie ebenfalls flink unterwesg sind, kann man sie doch besser berechnen und so ergeben sich doch einige nette Begegnungen vor der linse, während andere zu Dutzenden in Ärmel, Hosenbeine und Kameratschen krabbeln und dort ihr nicht immer nur kitzelndes Unwesen treiben ...

Ein kleiner Abstecher führt mich eine Lichtung entlang ... und schon von Weitem fällt mir ein Baum mit großen, rissigen Wulsten auf. Baumkrebs - eine Krankheit, welche durch Infektion mit Bakterien oder auch Pilzen an offenen Stellen verursacht werden kann. Die geschädigten, infizierten Stellen werden durch starke Rindenbildung überwuchert, um das weitere Aufbrechen oder Abplatzen der Rinde an den geschädigten Stellen zu verhindern.

Am Wiesenrand leuchten hellblau die ersten Blüten vom Ehrenpreis (Veronica sp.) hervor, wobei die genaue Art nicht bekannt ist. Die Vielzahl der verschiedenen im Bestimmungsbuch angegebenen Arten machen mir eine Bestimmung leider unmöglich ...

Leichter ist es bei diesem fröhlichen Frühlingsboten, der sich auf trockenen Böden fast immer als Erster durch die braune Laub- und Grasschicht des Vorjahres kämpft. Ein Huflattich (Tussilago farfara) , der im Volksmund früher oft respektlos "Huafpflutschn" oder auch "Sauplotschen" genannt wurde, andererseits als Wildgemüse und sogar als Arzneipflanze angewendet wurde.

Kein Wunder, dass sich hier als Erstes die Insektenwelt regt: Die Weite der ehemaligen Schottergrube mit ihren steinigen Flanken bildet eine große Wärmeinsel dar, die die Sonnenstrahlen gierig aufnimmt, speichert und später an die Luft wieder abgibt.

Noch selten war ich in diesem Bereich des Raader Waldes mit der Kamera unterwegs - und ich werde wohl heuer die Zeit nutzen, auch diese Ecke mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt noch genauer kennenzulernen ...

 

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